Der Schritt über die Schwelle: Durch Downsizing und Loslassen zu innerem Frieden und äußerem Frei-Raum

Der Schritt über die Schwelle: Durch Downsizing und Loslassen zu innerem Frieden und äußerem Frei-Raum

Wie meine Auszeit in Indien zu kraftvollen Entscheidungen führte…

In Indien durfte ich erfahren, wie wenig wir eigentlich brauchen. Auf dem Boden sitzend mit den Fingern zu essen, im einfachen Schlafsaal des Ashrams zu schlafen, war eine wertvolle Erfahrung. Diese Reise hat mich zurück zum Wesentlichen geführt und mir geholfen, notwendige Entscheidungen zu treffen, um mein Leben zu wandeln, vieles loszulassen, damit der Weg frei wird, immer mehr der Stimme meiner Seele zu folgen.

Die Reduzierung auf das Wesentliche schafft Raum – innen und außen

Nun sitze ich also nach meiner Rückkehr aus Indien hier in dieser kleinen Ein-Zimmer-Wohnung – erfüllt von Dankbarkeit und Freude. Wieder wird mir bewusst, wie wenig es im Außen braucht, wie unwichtig die äußeren, materiellen Dinge für unseren inneren Zustand, für unseren inneren Frieden sind! Für unser Glück ist nicht die tolle Altbauwohnung mit Dachterrasse und neuer Küche verantwortlich (die ich gerade gegen das Appartement eingetauscht habe). Im Gegenteil, all die materiellen Dinge können auch zur Last werden und uns von dem ablenken, worum es eigentlich geht. Wir beschäftigen uns ständig mit all dem Tun, was zur Erhaltung und Finanzierung unseres Lebensstandards erforderlich ist. Materielles bindet Energie. Das fühle ich nun ganz deutlich, wo ich dabei bin, mich von so vielem zu lösen und zu befreien.

Jetzt sitze ich hier mit den wenigen Dingen, die in eine 30 qm Wohnung passen und bin so glücklich, fühle mich so frei wie schon ganz lange nicht mehr. Interessanterweise komme ich hier viel eher zu Ruhe und Innenwendung als noch in der alten Wohnung. Als wenn mich all die Dinge um mich herum vom Wesentlichen ablenken würden. Allein die Wahl zu haben zwischen vier Räumen und Balkonen, wo ich mich aufhalten kann…! Dann gibt es ständig etwas zu tun, hier etwas wegzuräumen, da die Heizung zu regulieren, ganz zu schweigen vom Putzen und Sauberhalten! Hier habe ich nur die Wahl, lege ich mich aufs Bett oder setze ich mich an den Tisch? Das vereinfacht die Sache bereits wesentlich. Ich bin so schnell fertig mit Putzen und Aufräumen, weil ich einfach nicht mehr so viel Zeug habe. Alles ist übersichtlich. Frei-Raum im Außen erschafft Raum in meinem Inneren. Es gibt nichts zu tun. Nichts, was mich ablenkt. Einfach nur SEIN…herrlich frei!

Veränderung schafft Raum.

Die Miete ist günstiger, meine Kosten, die mich im Hamsterrad von Tun-Müssen gehalten haben, reduzieren sich. Hierdurch entsteht mehr Frei-Raum. Ich muss nicht mehr so viel arbeiten, um alles zu finanzieren, nicht mehr im Hamsterrad rennen. Ich bin frei, zu reisen, mein Herzensprojekt umzusetzen, den Impulsen des Lebens zu folgen. In der alten Wohnung hatte ich ständig das Gefühl, etwas tun zu müssen. Mich kümmern zu müssen. Hier kann ich einfach loslassen.

Da spielt es plötzlich keine Rolle, dass ich keine Spülmaschine mehr habe, die Küche nicht so hübsch ist und die Wände wieder die altbekannte Raufasertapete aufweisen. Insgesamt ist eben alles nicht so perfekt. Und es mir nicht mehr wichtig. Denn jetzt geht es um andere Dinge. Ich habe mein WARUM gefunden. Ich weiß, WOFÜR ich diesen Schritt mache. Und das ist alles, was zählt.

Wenn Du Deine Vision im Leben gefunden hast, ist es leicht. Leicht zu erkennen, was das Richtige für Dich ist. Wenn Du auf Deinem Seelenweg bist, dann entsteht Weite, innerer Freiraum, Frieden und Freude. Als wenn jemand das Licht eingeschaltet hätte. Als wenn die Seele tanzen würde. Dann ist es egal, was die anderen sagen. Niemand von außen kann die Antriebskraft, die Deiner Vision, der Quelle entspringt, beurteilen, niemand anderer kann wissen, was für Dich richtig ist, wonach Deine Seele ruft. Du fühlst es dann in Dir. Du weißt es einfach. Unumstößlich und ganz klar.

Die Stimme der Seele weist uns den Weg. Unbeirrbar, sanft und beharrlich.

Wie viele Menschen haben mir beispielsweise gesagt: Wie kannst Du diese einzigartige, wunderschöne Wohnung aufgeben?!?  Aber ich habe einfach losgelassen. Ohne Wehmut, ohne Zweifel, ohne Bedauern. Einfach losgelassen. Denn mein WARUM ist stärker.

Losgelassen in Dankbarkeit und Wertschätzung für das, was ich in dieser Immobilie lernen durfte. Es war die Erfahrung, dass ich all das gar nicht brauche. Die Erfahrung, dass ich all das gar nicht BIN, dass es nicht mein Platz ist. Räumlich und im Leben. Außen und innen.

Gespürt habe ich es schon lange, auch schon einen Artikel über die Suche nach dem richtigen Platz geschrieben. Aber erst jetzt war es für mich an der Zeit, dem in aller Konsequenz zu folgen. Erst jetzt hatte ich die notwendige innere Klarheit.

Diese einfache, kleine Wohnung fühlt sich so richtig an, weil sie meine Vision fördert, meine Lebensaufgabe, meinen Seelenweg unterstützt. Diese Befreiung  ist die Basis, um mehr unterwegs zu sein, meine Erfahrungsreise durch Gemeinschaftsprojekte zu machen, zu lernen und zu wachsen und dem folgen zu können, was sich auf diesem Weg zeigt. Flexibel mit dem Strom des Lebens zu schwimmen.

Meine innere Stimme wusste es schon lange, jedoch brauchte es zunächst noch eine Schleife, ich durfte noch einmal zurück gehen (tief zurück und schmerzhaft zurück in meine alten Strukturen), brauchte noch eine Erfahrung bis ich bereit war, ihr zu folgen.

In aller Konsequenz auf diese innere Stimme, die Stimme unseres Herzens zu hören, erfordert unumstößliche innere Klarheit. Es erfordert Mut, Durchsetzungsvermögen und Standfestigkeit. Denn der – in meinem Fall radikale – Richtungswechsel, die Befreiung aus dem Altbewährten und Bekannten, aus den bisher gelebten Strukturen und Umfeldern ist ein großer Schritt. Die Zweifler und Kritiker, die Prüfungen des Lebens, ob wir es wirklich ernst meinen, kommen dann unaufgefordert. Dann zeigt sich, in welcher Konsequenz wir bereit sind, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Unsere Macht anzunehmen, unser Leben zu gestalten. Selbstermächtigung.

Denn nicht alle Menschen begrüßen so einen Schritt. Im Gegenteil, viele reagieren ablehnend. Von traurig, voller Unverständnis bis hin zu vorwurfsvoll und wütend ist mir alles begegnet. Und das ist völlig verständlich, führt es ihnen doch die eigene Begrenztheit, die eigene Schwäche, das eigene Feststecken, sich nicht trauen vor Augen. Es macht Angst. Denn es könnte ja klappen…und was wäre dann? Es würde ihr ganzes Weltbild in Frage stellen, wäre es schließlich der Beweis für die Illusion, in der so viele Menschen leben.

Diese innere Klarheit in uns zu finden, ist die Basis und die Kraft, über die wir in die Umsetzung gelangen. Und die braucht es zu allererst. Deshalb ist es völlig okay, wenn wir noch ein paar Runden drehen, bevor es soweit ist. Dann ist vorher eben noch eine Erfahrung nötig, die meist tiefgreifend und oft schmerzhaft ist, damit wir erkennen. Erkennen, dass wir nicht auf dem richtigen Weg sind, dass wir in die falsche Richtung rennen. Der Mensch lernt über Schmerz und Leid nun mal am meisten.

Der Schritt über die Schwelle

Ich musste erst ins Burnout, in die totale körperliche Erschöpfung und finanzielle Krise, bevor ich die Kraft für den ersten Schritt hinaus mobilisieren konnte. Der erste Schritt hinaus aus der Komfortzone (bzw. so komfortabel war es da gar nicht, Hamsterrad oder Gefängnis trifft es für mich eher) ist der schwerste. Schon lange stand ich an der Schwelle, doch den Schritt hinüber wagte ich noch nicht. Ich ahnte bereits, dass dahinter noch so viel mehr auf mich wartet, war aber noch zu verhaftet in den alten Strukturen.

Der Schritt über die Schwelle war die Entscheidung für eine Auszeit in Indien. Die Entscheidung, loszulassen. Noch nie habe ich mir das erlaubt, auch wenn ich seit Jahren immer wieder an den selben Punkt kam (eine sich wiederholende Schleife), an dem die Sehnsucht danach – körperlich und seelisch – mich überwältigte, war doch mein Verstand bisher stärker gewesen. Er fand tausend Gründe, warum das nicht gehe. „Du bist selbstständig, da kannst Du nicht so lange weg.“ oder „Du musst vor Ort sein, um Aufträge zu akquirieren. Das kannst Du Dir nicht leisten.“ uvm. (Mein zweifelnder Verstand hatte übrigens nicht recht! Am anderen Ende der Welt habe ich sogar neue Aufträge bekommen – wer hätte das gedacht? 😉 Unser Verstand ist eben begrenzt. Er hat keinen Einblick in das Feld der unbegrenzten Möglichkeiten.)

Dennoch flog ich nach Indien. Völlig fertig und erschöpft. Kaum hob der Flieger ab, brachen sich die angestauten Emotionen und der Druck Bahn. Ich heulte und heulte und heulte…vor Erleichterung, endlich unterwegs zu sein, vor Traurigkeit, nicht früher diesen Schritt gemacht zu haben, vor Erschöpfung…es war eine vielfältige Mischung. Mit jedem Kilometer, den ich mich weiter von meinem bisherigen Leben entfernte, zeigte sich bereits die Klarheit tief in mir. Es meldete sich meine innere Stimme, die immer lauter sagte: Ich werde nicht zurückkehren in mein altes Leben. Ich werde nicht zurückkehren. Wie ein Mantra. Es war ein Versprechen. Und so ist es. Ich kehrte nicht mehr zurück.

In Indien fand ich schließlich die Klarheit, die es für die Veränderungen in meinem Leben brauchte. Dafür musste ich zunächst raus aus meinem Alltag, aus meinem Umfeld, aus meinen bekannten Strukturen.

Der Blick für das Wesentliche ist oft schärfer aus der Distanz.

Zuhause in meinem Hamsterrad und selbst gebauten Gefängnis hätte ich diese Entscheidungen nicht getroffen. Da hätte mein Ego wieder gewonnen und mich festgehalten, bestärkt von vielen Menschen aus meinem bisherigen Umfeld. Die Stimme meiner Seele wäre wieder übertönt worden. Die Fangarme der Krake hätten mich wieder umschlungen und zurückgezogen in die klebrige Masse, in der ich feststeckte.

Das Loslassen meiner großen, schicken Wohnung und vieler materieller Dinge ist nur ein Teil des Wandels. Ich lasse noch viel mehr los. Mein altes Leben. Dazu gehören Kontakte, die nicht mehr stimmig sind, mein bisheriges Umfeld, meine Arbeitsweise, alte Überzeugungen und Glaubenssätze, Schuldgefühle und schlechtes Gewissen, das Erfüllen der Erwartungen anderer, das Funktionieren in unserer Leistungsgesellschaft, Aufträge, die nicht meiner Vision dienen, sondern nur das um…zu erfüllen (Geld verdienen müssen) etc.

Auf dieser Reise bin ich durch tiefe Prozesse gegangen, habe viel Altes noch einmal durchfühlt und angeschaut, um es dann zu verabschieden. Ein körperlicher und seelischer Reinigungsprozess in der Ayurvedakur. Das war nicht immer angenehm. Fieber, Magen-Darm, Nieren- und Rückenschmerzen waren nur einige der Erscheinungen, die sich zeigten. Ganz viel alter Ballast kam aus meinen Zellen. Das war die Vorbereitung.

Wunderbare Begleiter wurden mir geschickt, die mich in meinem Entscheidungsprozess unterstützten und bestärkten, wofür ich so dankbar bin. Mir sind die richtigen Menschen zur richtigen Zeit begegnet. Führung.

Am Ende wurde ich belohnt. Ich durfte ganz deutlich den Unterschied meiner Energie zwischen Hin- und Rückflug spüren: In der Angst bin ich geflogen, in der Liebe zurückgekehrt. (Es gibt nur zwei Grundformen der Energie – Liebe und Angst.) Damit hat sich der Sinn dieser Reise erfüllt. Ich bin geflogen, um meinen inneren Frieden wiederzufinden. Das ist das größte Geschenk!

Es ist einfach Wunder-voll, was alles geschieht, wenn wir uns für unseren Seelenweg entscheiden und öffnen. Ich habe dadurch – mit meinem Schritt über die Schwelle – ein neues Feld betreten, das, was hinter der Schwelle liegt und schon immer da war. Das Feld der unbegrenzten Möglichkeiten, der Wunder und Geschenke, das Feld der Fügungen und geführten Begegnungen. Das Feld der Freude und Inspiration, der Leichtigkeit und des Friedens.

All dies wartet nur auf uns, es will entdeckt werden. Das Leben breitet die Arme aus. Wir müssen nur diesen einen ersten Schritt darauf zu machen. Den ersten Schritt auf dem Weg ins Paradies. Das Paradies, aus dem wir uns selbst ausgesperrt haben…

There are 2 comments for this article
  1. Andreas at 14:29

    Liebe Maria,
    Ein bewegender Artikel. Ich wünsche dir von Herzen noch viel mehr Freiheit und Autonomie als jetzt schon vorhanden.
    Mich selbst hat es nicht nach Indien geführt, dafür durfte ich in Kürten viel Materielles loslassen. Du kennst das ja.
    Ich lebe jetzt in einem 35 Qm Appartment mitten in Berlin und mache ähnliche Erfahrungen.
    Herzliche Grüße von Andreas

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