Das bequeme Einheitsgrau in der Mitte

Das bequeme Einheitsgrau in der Mitte

Empfindet Ihr Euer Leben auch als turbulentes und häufig anstrengendes Auf und Ab? Sehnt Ihr Euch manchmal nach etwas mehr Ruhe und Gleichförmigkeit? Fragt Ihr Euch, warum es bei den anderen mehr oder weniger glatt läuft und bei Euch nicht?

In Gesprächen im Freundes- und Bekanntenkreis habe ich immer wieder das Gefühl gehabt, bei den anderen läuft alles rund. Das Leben plätschert so dahin ohne größere Turbulenzen und Unruhen. Man bewältigt seinen Alltag mal besser und mal schlechter, die Kinder sind mal krank, der Job nervt mal mehr, mal weniger, man freut sich auf den nächsten Urlaub. Das waren die Themen, die den Gesprächsverlauf vieler Abende beherrschten. Ich fühlte mich in solchen Runden immer etwas fehl am Platz. Irgendwie hatte ich das Gefühl, bei mir liefe etwas nicht richtig. Warum war mein Leben nur immer von kleineren bis mittleren Katastrophen geprägt, von einschneidenden Erlebnissen und schwierigen Erfahrungen? Ein gefühltes, ständiges Auf und Ab, ein Pendeln zwischen Hoch und Tief. Das ist doch nicht normal, sagte ich mir oft. Bei den anderen läuft es doch auch – wieso bei Dir nicht? Heute weiß ich, warum. Und ich will es nicht mehr anders haben!

Ich nenne diesen Zustand, in dem viele Menschen (vor sich hin) leben, „das Einheitsgrau in der Mitte“. Die Frage ist, wofür entscheiden wir uns im Leben? Wollen wir uns im beständigen Mittelfeld bewegen und unser Leben ohne größere Komplikationen und Ausschläge nach oben und unten führen? Wollen wir in unserer bequemen Komfortzone, in der wir es uns gemütlich eingerichtet haben, verharren? Oder wollen wir über den Tellerrand nach draußen schauen und uns als Teil der Einheit, des Großen und Ganzen begreifen? Wollen wir uns auf den Weg zu uns selbst machen, nach dem Sinn des Lebens und einer Form von Erfüllung suchen? Wollen wir diesen harten, oft schmerzhaften Weg in Kauf nehmen und dafür wirkliche Tiefe und Bewusstsein erfahren? Wollen wir in Kontakt mit uns selbst kommen und die ganze Bandbreite und Fülle an Emotionen leben, die das Leben zu bieten hat?

Hat man einmal diesen Weg gewählt und sich diesen Fragen geöffnet, kann man nicht mehr zurück. Man zweifelt oft (meistens dann, wenn man sich gerade mitten in einem Lernprozess = Tief befindet), ob es das wert ist und ob die anderen, die in der Mitte, im „Einheitsgrau“ nicht doch das bessere Leben haben und zufriedener sind. Meine persönliche Antwort lautet jedoch hierauf immer wieder: Das ist es wert! Trotz der Schmerzen, will ich es nicht anders haben.

Wo wären wir, wenn immer alles schön und einfach vor sich hinlaufen würde? Wir wären nicht, wie man annehmen könnte, in einem dauerhaften Glückszustand oder einem Zustand fortwährender Zufriedenheit. Nein, im Gegenteil, dieses vermeintlich erstrebenswerte Leben wäre zwar ein ruhigeres, gleichförmiges, aber damit auch ein oberflächliches Leben. Denn wir machen schwierige Phasen und Prüfungen im Leben durch, um uns die richtigen Fragen zu stellen. Damit wir nach unserer Wahrheit suchen, uns auf den Weg zu uns selbst machen. Das würden wir nicht tun, wenn alles leicht und rund laufen würde. Nur in den schweren Phasen im Leben, stellen wir uns die Fragen, die uns weiter bringen auf unserem Weg, die Fragen, an denen wir wachsen und mit denen wir uns selbst immer mehr erkennen.

Auf diese Art finden wir auch zu unserer Lebensaufgabe und erkennen die Zusammenhänge des Ganzen, die Führungen – letztendlich den Sinn.

Für mich steht fest: lieber das turbulente, manchmal schmerzhafte, aber in jedem Fall intensive Auf und Ab des Lebens als das bequeme Einheitsgrau in der Mitte!

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